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Die Sprachentwicklung des Kindes und ihre Störungen
(eine Kurzdarstellung)

1. Merkmale und Verlauf der Sprachentwicklung

1.1. Richtiges Hören - Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Sprachentwicklung

2. Störungen der Sprache

2.1. Grobsystematik der wichtigsten Sprachstörungen

2.1.1. Störungen und Verzögerungen der Sprachentwicklung

2.1.1.1. Störungen der Lautbildung (Stammeln)

2.1.1.2. Störungen der Satzbildung (Dysgrammatismus)

2.1.1.3. Störungen des Redeflusses (Stottern und Poltern)

2.1.1.4. Zentrale Entwicklungsbehinderungen der Sprache

2.1.1.5. Nach dem Spracherwerb auftretende zentralbedingte Störungen der Sprach - Aufnahme, - Verarbeitung, -Speicherung und - Produktion

2.1.1.6. Sprachverweigerung (Mutismus)

2.1.1.7. Sprachstörungen infolge von Veränderungen der Sprechorgane (Dysglossien)

2.1.1.8. Stimmstörungen (Dysphonie)

2.1.1.9. Sprachstörungen als Folge von Hörstörungen

3. Gestörte Sprache und die Auswirkungen auf schulisches Lernen

4. Zur Diagnostik gestörter Sprache

5. Rehabilitationsmöglichkeiten für Sprachbehinderte

5.1 Außerschulischer Bereich

5.2 Schulischer Bereich einschließlich sonderpädagogischer Frühbetreuung

6. Einige Hinweise zur Beratung von Eltern und anderen Erziehungspersonen

1. Merkmale und Verlauf der Sprachentwicklung

Alle menschlichen Sprachen haben bestimmte Gemeinsamkeiten: Sie benutzen Atmung, Stimme und Artikulation, haben ein begrenztes Lautinventar, kennen das Wort als Bedeutungsträger, und es gibt bestimmte Sprachregeln (Grammatik).
Die Fähigkeit, Sprache zu erlernen, ist dem Menschen angeboren. Ein Kind könnte daher jede menschliche Sprache erwerben. Es lernt jedoch stets zuerst die Sprache seiner unmittelbaren Bezugspersonen. Es reduziert deren Sprache auf das für seine Situation, seinen Entwicklungsstand Wesentlichste. Die Mutter (bzw. die Bezugspersonen) erweitert die Sprache des Kindes nach den muttersprachlichen Regeln.

Kindersprache ist gekennzeichnet durch Wortschöpfungen, Vereinfachungen von Wort- und Satzformen, Unsicherheiten im Sprechablauf, Angleichung von Lauten verschiedener Artikulationsgebiete, Auslassungen, Zusammenziehungen, Ersatz und Umstellungen von Lauten und Silben, ...

Sie sind bei altersgerechtem Auftreten Ausdruck einer eigenständigen kindlichen Sprache.
Beispiele:

Angleichung von Lauten an die Nachbarlaute:
Hexe = Hetse, Drachen = Grachen ....

Zusammenziehungen und Umstellung von Lauten und Silben:
Fingerhut = Finghut, Omnibus = Ombus, Schokolade = Lokoschade,
Schmetterlinge = Metterschlinge, Waschlappen = Lappwaschen ...

Vereinfachungen und Auslassungen bei Lautverbindungen:
Blume = Bume, Stuhl = Duhl, Straße = Schraße, Flasche = Fasche ...

Ersatz von Lauten:
Schule = Dule, Kaffee = Taffee, Kopf = Bopf, rote Rose = hote Hose ...

Auch im Satzbau kommt es durch Vereinfachungen, Umstellungen oder Regelübertragungen zu charakteristischen Abweichungen von der Erwachsenensprache.

Beispiele:
Ute hat getrinkt, Markus hat krank gewest, Tasse von Tisch fallt, viele Fischen im See schwimmen ...

Bei jedem Kind tauchen solche oder ähnliche Besonderheiten im Laufe seiner Entwicklung auf.

Die Beurteilung des Sprachentwicklungsprozesses ist abhängig von Erwartungen bezüglich des Auftretens sprachlicher und sprachähnlicher Leistungen in einem bestimmten Lebensalter. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, deren individuelle Bandbreite zum Teil sehr beträchtlich ist.

Grobe Orientierungsdaten sind:
(Nach Th. Herrmann: Einführung in die Psychologie, Bd. 5, Sprache. Verlag H. Huber, Stuttgart, 1972)

Im zweiten Viertel des ersten Lebensjahres:
Das Kind beginnt, menschliche Lautäußerungen zu beachten und auf sie mit eigenen Lautproduktionen zu  reagieren.

Im zweiten Lebenshalbjahr:
Lautproduktionen des Kindes erweisen sich als Ausdruck des Ärgers und des Behagens. Es entwickelt sich das Nachahmen gehörter Lautäußerungen. In der sogenannten Lallphase produziert das Kind mit Lust und Ausdauer immer neue Lautkombinationen und übt dabei die eigene Sprachwahrnehmung und -produktion. Etwa gegen Ende des ersten Jahres folgt das Nachahmen von Silben und Wörtern. 
Das Kind beginnt, auf gehörte Lautäußerungen anhaltend zu lauschen.

Am Anfang des zweiten Lebensjahres:
Die ersten Wörter (Ein-Wort-Sätze) werden situationsgerecht ausgesprochen.

Etwa mit eineinhalb Jahren:
Das Kind produziert sprachliche Äußerungen, die aus mehreren (zunächst zwei) Wörtern bestehen.

Etwa mit drei Jahren:
Das Kind produziert fast alle einfachen Satztypen seiner Muttersprache.

Etwa mit vier bis fünf Jahren:
Das Kind beherrscht die Grammatik seiner Muttersprache fast vollständig.

In der mittleren und späten Kindheit:
Das Kind perfektioniert die Beherrschung seiner Muttersprache und lernt, zunehmend komplexere Aufgaben zu bewältigen.

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1.1.  Richtiges Hören - Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Sprachentwicklung

Ob ein Kind rechtzeitig auf "normale Weise" sprechen lernt, hängt neben seiner allgemeinen Entwicklung auch von seinem Gehör ab. Schon von frühester Kindheit an sollte das Hörvermögen genau beobachtet werden.

Ein normal hörendes Kind im Alter von 6 - 7 Monaten erschrickt bei plötzlich einsetzendem Lärm. Es beruhigt sich, wenn es bekannte Stimmen vernimmt. Es horcht auf Geräusche wie Händeklatschen, Rassel, Klingel, Spieluhr, Radio, wendet sich Klängen und Geräuschen zu und stellt dabei evtl. das Schreien ein.

Bis zum Ende des ersten Lebensjahres versucht es, durch Schreien und Lallen die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Es lallt vor sich hin, wenn es alleine ist und ahmt allmählich sein eigenes Lallen nach.
Es horcht auch auf leisere Geräusche, z. B. das Ticken einer Uhr, antwortet, wenn sein Name gerufen wird und spricht einfache zweisilbige Wörter klar aus (Mama, Papa, ... ).

Die schwerwiegendste Folgeerscheinung einer Schwerhörigkeit ist die Beeinträchtigung der Sprachentwicklung. Auch leichtere Hörschäden wirken sich nachteilig aus, da sowohl die sprachliche Nachahmungsfähigkeit als auch die Eigenkontrolle eingeschränkt sind.

Jeder Verdacht einer Hörstörung sollte überprüft
und gegebenenfalls fachmedizinisch untersucht werden!

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2. Störungen der Sprache

Sprachstörungen sind gekennzeichnet durch wesentliche Abweichungen von den aus der Kenntnis des Sprachentwicklungsprozesses abgeleiteten Normerwartungen.
Daher ist die genaue Kenntnis der kindersprachlichen Entwicklung Voraussetzung für die Diagnose.

Sprache hat eine herausragende Bedeutung für die Entwicklung. Jede Beeinträchtigung der Sprache wirkt sich auf die Gesamtperson in ihren vielfältigen Umweltbeziehungen und damit auf den Entwicklungs- bzw. Lernprozess aus. Andererseits haben auch Beeinträchtigungen gesamtpersönlicher Entwicklungen meist Auswirkungen auf die Sprache. Dabei ist in der Regel kein eng umschriebenes Symptom anzutreffen, sondern eine komplexe Behinderung mit individuell unterschiedlichen Bedingungen bez. des Auftretens und der Ausprägung.

Die sprachlichen Probleme greifen unmittelbar in den Verständigungsprozess ein: Die Art und Weise der sprachlichen (und / oder schriftsprachlichen) Verständigung weicht so weit von der Normerwartung der Beteiligten ab, dass sie von der Inhaltsebene ablenkt und diese verfremdet oder verfälscht. Dadurch wird die Kommunikation gestört, und es entstehen Irritationen zwischen den Sprechpartnern.
Diese Fehlanpassungen beeinträchtigen bei den Sprachbehinderten die persönliche, geistig-seelische, soziale und damit auch die schulische und berufliche Entwicklung.

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2.1. Grobsystematik der wichtigsten Sprachstörungen

Sprachstörungen können nach Ursachen, Entstehung und Erscheinungsformen in verschiedene Gruppen eingeteilt werden, innerhalb derer jedoch eine große Vielfalt besteht. Zwischen den verschiedenen Bereichen kommt es zu zahlreichen Überschneidungen.

2.1.1. Störungen und Verzögerungen der Sprachentwicklung

Das Kind redet noch sehr lange ähnlich wie ein Kleinkind. Seine Sprache ist teilweise schwer verständlich, die Fehlbildungen ändern sich oft in unterschiedlichen Situationen und Stimmungen.
Schwierigkeiten der Laut- und Satzbildung, geringerer Wortschatz, Unsicherheiten des Sprechablaufs mit häufigen Unterbrechungen des Redeflusses sind die Hauptsymptome, die häufig mit anderen psychosomatischen und sozialen Entwicklungsauffälligkeiten einhergehen. Im Schulalter ist sehr oft das Erlernen der Schriftsprache erschwert.

2.1.1.1. Störungen der Lautbildung (Stammeln)

Die verschiedenen Laute u. Lautgruppen sind unterschiedlich häufig von Fehlbildungen betroffen:
Nachfolgend die häufigsten:

S und SCH-Fehler ( Sigmatismus und Schetismus ):
Die Zunge liegt zwischen den Zähnen oder stößt an die Zähne oder an den Gaumen,
die Luft entweicht seitlich,
häufig wird sch durch s ersetzt ("söne sule,")
s und sch werden durch andere Laute ersetzt ( z. B. durch  d/t, Degeldiff statt Segelschiff)

R- Fehler ( Rhotazismus )
r wird oft weggelassen oder durch andere Laute, meist h, j oder l, ersetzt (rot wird zu hot, jot oder lot,  Treppe zu Teppe)

G / K -Fehler (Gammazismus / Kappazismus)
g und k werden z.T. weggelassen oder ersetzt, meist durch d/t oder b/p (Taffee, Bopf, Iste statt Kiste)

Relativ oft betroffen sind auch das ch, das meist durch s oder k ersetzt wird (Kuken statt Kuchen,
ristis statt richtig) und der ng, der zu n wird (sinen statt singen).

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2.1.1.2. Störungen der Satzbildung (Dysgrammatismus)

Diese Störungen können sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion betreffen.
Das Kind ist nicht in der Lage, sprachlich dargestellte Sachverhalte gemäß ihrer Wort- und Satzkonstellation zu verstehen bzw. einen richtig gedachten Sachverhalt in einem alters- und entwicklungsgerechten Satz mitzuteilen, wodurch ein Teil an Information verloren geht.

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2.1.1.3. Störungen des Redeflusses (Stottern und Poltern)

Es handelt sich hierbei um eine Vielfalt individueller Störungsbilder mit einem vielschichtigen Zusammenwirken ererbter, angeborener, früh oder spät erworbener körperlicher, seelischer, geistiger und sozialer Faktoren.
Der Sprechablauf ist gestört, es kommt zu Hemmungen, Unterbrechungen, Wiederholungen, Verwaschungen, Verkrampfungen, Grimassenbildungen, Mitbewegungen usw...
Eine klare Trennung der Störungskomlexe ist wegen der Vielfalt der individuellen Erscheinungsbilder schwierig;
die Symptome überschneiden sich besonders im Kindesalter sehr stark.

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2.1.1.4. Zentrale Entwicklungsbehinderungen der Sprache

Der Spracherwerb ist durch erbliche, angeborene oder frühkindlich erworbene Störungen der für die Sprach-Aufnahme, -Verarbeitung, -Speicherung und -Produktion notwendigen Hirnfunktionen beeinträchtigt.

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2.1.1.5. Nach dem Spracherwerb auftretende zentralbedingte Störungen der Sprach - Aufnahme,
 - Verarbeitung, -Speicherung und - Produktion

Bei den unter 2.1.1.4. und 5. aufgeführten Störungen reichen die Symptome von leichten Laut- und Satzbildungsfehlern, Wortfindungsproblemen und Sprechablaufunsicherheiten bis zur völligen Unfähigkeit, Sprache zu verstehen und / oder zu produzieren.

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2.1.1.6. Sprachverweigerung (Mutismus)

Manche Kinder sind gegenüber unbekannten oder auch bekannten Personen oder in bestimmten Situationen nicht bereit, zu sprechen.
Im Extremfall kann Sprache fast generell verweigert werden. Die Ursachen können im gesamten Bereich der Umweltbeziehungen liegen,
die Kinder sind in ihrer psychosozialen Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt.

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2.1.1.7. Sprachstörungen infolge von Veränderungen der Sprechorgane (Dysglossien)

Darunter zählen u. a. Spaltbildungen (Lippen-Kiefer-Gaumenspalten), Lähmungen und Wucherungen, die meist Artikulations- und / oder Stimmstörungen u. a. offenenes oder  geschlossenes Näseln zur Folge haben. In schweren Fällen kann die Sprache nahezu unverständlich werden.

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2.1.1.8. Stimmstörungen (Dysphonie)

U. a. chronische Heiserkeit infolge dauerhafter Erkältung, Überspannung der Stimmmuskulatur, Stimmbandknötchen, Stimmschwächen bis hin zu völliger Stimmlosigkeit. Sie können organische und / oder psychische Ursachen haben.

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2.1.1.9. Sprachstörungen als Folge von Hörstörungen

Sie können von leichten Lautbildungsfehlern (z.B. s / sch -Fehler) bis zur schwersten Behinderung des Spracherwerbs bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder bei Gehörlosigkeit reichen.

3. Gestörte Sprache und die Auswirkungen auf schulisches Lernen

Als Ursache, in Begleitung oder als Folge der Sprachstörung treten eine Reihe von Teilschwächen in individuell unterschiedlichster Zusammensetzung und Ausprägung auf, die sich als Lern- und Leistungsbehinderungen in den einzelnen Unterrichtsfächern auswirken können:
u.a.

  • Störungen der Aufnahme, Differenzierung, Verarbeitung und Speicherung im auditiven, visuellen und taktil-kinästhetischen Wahrnehmungsbereich
  • Störungen der Simultanerfassung und Koordination von Reizen aus diesen Wahrnehmungsbereichen
  • Probleme beim Verknüpfen und Ordnen der Sinnesinformationen sowohl nach Qualität als auch in ihren zeitlichen und räumlichen Beziehungen.
  • Unzureichende Automatisierung sprachlich-sprechmotorischer und psycho- motorischer Abläufe einschließlich rhythmisch-musikalischer Störungen.

Konzentrationsüberforderung, Ablenkbarkeit, Unruhe, wechselhafte Arbeitshaltung sind die wesentlichsten Folgen dieser "Teilleistungsschwächen". Schüler, deren Wahrnehmungs-, Erfahrungs- und Verarbeitungsprozesse verändert und für die Umwelt oft schwer nachvollziehbar sind, können auffällige psychosoziale Verhaltensweisen zeigen.

  • Schwierigkeiten bei der Lautdifferenzierung, reduzierter Wort- und Begriffsschatz, Satzbauschwierigkeiten und mangelndes Sprachgefühl haben unmittelbare Auswirkungen auf mündliche und schriftliche Leistungen. Sprachlich-sprechmotorische und psychomotorische Ablaufstörungen weisen deutliche Verbindungen zu Lesestörungen (besonders Lautlesen) auf. Ebenso bestehen enge Verbindungen zu Schreib- und vor allem zu Rechtschreibstörungen.
  • Ein großer Teil Sprachbehinderter hat wie im Bereich der Muttersprache auch Schwierigkeiten im fremdsprachlichen Bereich. Manche Schüler werden daher vorübergehend oder auch auf Dauer vom Fremdsprachenunterricht befreit.
  • Störungen der räumlich-zeitlichen Orientierung, visuelle und auditive Speicherschwächen, Störungen der Simultanleistung von Wahrnehmung und Motorik u. a. Teilleistungsstörungen wirken sich häufig auch im rechnerisch-mathematischen Bereich nachteilig aus.

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4. Zur Diagnostik gestörter Sprache

Zur Beschreibung der sprachlichen Störungen und ihrer Auswirkung auf die Gesamtperson wird eine Vielfalt von Maßnahmen benötigt, deren Auswahl und Gewichtung sich nach den im diagnostisch-therapeutischen Prozess auftauchenden Hypothesen richtet.
Die Diagnostik sollte möglichst durch Fachleute erfolgen, die die nötige Sachkenntnis besitzen und entsprechendes Material und geeignete Geräte zur Verfügung haben.
Wichtig ist die Kooperation aller Personen und Institutionen, die am Beratungs- und Betreuungsgeschehen beteiligt sind!

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5. Rehabilitationsmöglichkeiten für Sprachbehinderte

5.1 Außerschulischer Bereich

  • Diverse medizinische und psychologische Fachrichtungen
  • Logopäden
  • Andere therapeutische Dienste, die meist auf Grund ärztlicher Verordnung tätig werden.

5.2 Schulischer Bereich einschließlich sonderpädagogischer Frühbetreuung

Sonderpädagogische Beratungsstellen mit Unterabteilungen für die verschiedenen Behinderungsarten stehen für die Frühbetreuung flächendeckend in ganz Baden-Württemberg zur Verfügung.

  • Beratungsstellen für Sprachbehinderte
    sind für Kinder zuständig, bei denen eine Sprachbehinderung im Vordergrund steht. Sie können auch bei Sprachbehinderten in allgemeinen Schulen eingeschaltet werden.
  • Der Schulkindergarten für Sprachbehinderte
    nimmt Kinder ab 3 Jahren auf, deren Sprachschwierigkeiten auf ambulantem Wege nicht ausreichend behoben werden können.
  • Die Schule für Sprachbehinderte (Sprachheilschule)
    ist zuständig für sprachbehinderte Schüler, die in der allgemeinen Schule nicht ihrer Begabung gemäß gefördert werden können. Sie unterrichtet nach dem Bildungsgang der Grund- und Hauptschule und ist als Durchgangsschule konzipiert, d. h. die Kinder werden so bald wie möglich wieder in die allgemeine Schule umgeschult.
  • Heimsonderschulen für Sprachbehinderte
    nehmen Kinder auf, für die der Weg in die nächstgelegene Tagesschule zu weit ist oder für die ein Milieuwechsel geboten erscheint.

In Heilbronn unterrichtet die Heimsonderschule auch nach dem Bildungsgang der Realschule.

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6. Einige Hinweise zur Beratung von Eltern und anderen Erziehungspersonen

Die Nachahmung spielt beim Spracherwerb eine große Rolle. Deshalb ist es für das Kind wichtig, ein gutes sprachliches Vorbild zu haben.

Wie soll man mit einem Kleinkind sprechen?

Es ist durchaus sprachanregend, wenn man Lautnachahmungen wie "tuttut, wauwau" anbietet.
Falsch ist es allerdings, wenn dem Kind statt des richtigen Wortes häufig ein vermeintlich leichteres Ersatzwort gegeben wird.
Wenn es beispielsweise zu einer Ente "Gaga" sagt, dann entspricht das seiner sprachlichen Entwicklungsstufe. Sollten jedoch die Bezugspersonen diesen Kinder-sprachbegriff ebenfalls überwiegend benützen, dann hemmt dies die sprachliche Weiterentwicklung.
Baby- oder Ammensprache sollte daher weitgehend vermieden werden.
Auch der "Wau-wau" kann mit seinem richtigen Namen genannt werden, indem man z. B. diesen "Einwortsatz" des Kindes mit einer einfachen Beschreibung beantwortet, "ja, der Hund bellt, wauwau".

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Soll man das Kind trotz seiner Sprachstörung verstehen?

Manchmal wird geraten, man solle einfach so tun, als verstehe man das Kind nicht; es würde sich dann schon bemühen, besser zu sprechen. Dadurch bringt man das Kind allerdings sehr leicht unter großen Druck, schließlich möchte es ja etwas Bedeutsames mitteilen.
Es kann ja meistens im Moment wirklich nicht "besser" sprechen und vor allem den Unterschied zwischen seiner und der Erwachsenensprache gar nicht erkennen.
Es wird dann eher aufgeben als sich angespornt zu fühlen.
Es ist deshalb für das Kind sehr wichtig, dass es verstanden wird. Nur so erlebt es, welche Vorteile das Sprechen mit sich bringt.
Das Kind zu verstehen bedeutet aber nicht, es bereits nach wenigen Worten zu unterbrechen und zu sagen: "Ich weiß schon, was du meinst." Auch ein sprachauffälliges Kind hat den Anspruch, sein Anliegen vortragen zu können und angehört zu werden.
Nur im Gebrauch kann sich die Sprache vollständig entwickeln.
Am wichtigsten ist daher, das Interesse am Gesprochenen durch Zuwendung zu bekunden.
Wenn man das Kind tatsächlich nicht versteht, kann man sich zusätzlich zeigen lassen, was es sagen möchte, und es dann selbst in Worte fassen z.B.: "Ach ja, du kannst deinen Anorak nicht ausziehen, weil der Reißverschluss klemmt."
Auch Erwachsene werden unsicher, wenn sie andauernd von ihren Gesprächspartnern unterbrochen, kritisiert und korrigiert werden.

Merke: Sprechfreudigkeit ist wichtiger als Sprechfertigkeit!

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